Montag, 17. Juli 2017
Meine Erfahrung mit Antidepressiva
So, noch ein dritter Beitrag, dann ist erstmal Schluss für heute. Tabs. Im Laufe der letzten Jahre hat mir mein Psychodoc diverse Mittelchen zur Erheiterung und Lebensbejahung verordnet. Ums gleich vorweg zu nehmen: Die taugen echt alle nix. Außer Nebenwirkungen, und die nicht zu wenig, habe ich nicht viel bemerkt.
Das erste, waqs ich genommen habe, war Citalopram. Wirkung null. Lebhafte Träume hatte ich, das war alles. Und im Bett ... lief gar nichts mehr. Ich war sexuell quasi im völligen off angelangt. Kein Interesse, keine Lust, kein Wichsen, von echtem Sex ganz abgesehen. Ich fühlte mich wie chemisch kastriert. Das Zeug habe ich dann schnell abgesetzt. Das anschließend verordnete Sertralin ... das gleiche in grün. Mir hätte sich Lara Stone aufs Gesicht setzen können, ich wäre so geil geworden wie eine Straßenlaterne im Eisregen. Nix, nada. Dann probierte ich es mit Mirtazapin. Du meine Güte! Nach der ersten Einnahme habe ich fast 72 Stunden durchgeschlafen. Anschließend habe ich mich gefühlt, als sei ein 40-Tonner über mich gefahren. Das verschwindet, hat mein Psychodoc gemeint, einfach weiternehmen.Okay, done. Nach etwa zwei Wochen verringerte sich die Müdigkeit auf ein erträgliches Maß, aber ich habe begonnen zu fressen wie ein Scheunendrescher. Schoki, Nudeln, kiloweise Lachs, an manchen Abenden zwei, drei Pizza ... so ging das nicht weiter. Ich habe innerhalb kürzerster Zeit sechs Kilo zugenommen. Abgesetzt. Dann bekam ich ein Zeug, das hieß Elontril. Heidewitzka! Ums kurz zu machen: Schlaf null, Gewicht ging rapide in den Keller, da nahezu keinen Appetit mehr, ständig Gefühl der Anspannung und Unruhe, aber ich war spitz wie Nachbars Lumpi, habe quasi ganztägig ans Vögeln gedacht und ne Prachtlatte durch die Gegend spaziert. Mit der letzten Nebenwirkung hätte ich ja gut leben können, aber Gewichtsverlust und fast kein Schlaf mehr, das ging dann halt doch nicht. Dann gab es noch einen Versuch mit Opipramol, da hätte ich auch Smarties nehmen können, weder Wirkungen noch Nebenwirkungen. Jetzt bin ich clean, will auch nix mehr probieren. Das beste Antidepressivum ist eh Kokain. Da spürst du sofort eine Wirkung. Eingeschnieft, Nase wird taub innen, dann spürst du auch schon den bitteren Geschmack im Rachen und Minuten später mutierst du zum gottgleichen Wesen. Ihr kleinen Pisser, da unten! Nach der Wirkung ist vor der Wirkung. Da schlägt dann die Depression umso fester zu und den Tag danach ertrage ich nur mit ner Valium im Bett.
In den letzten Monaten bin ich sorgsamer geworden mit meinem Körper, treibe wieder regelmäßig Sport, ernähre mich ausgewogen, Alk dann und wann, Rauchen noch seltener und alles unter der Rubrik "Sonstiges" nur bei entsprechendem Anlass.
Trevilor habe ich noch vergessen zu erwähnen. Da hatte ich den Eindruck, dass es tatsächlich etwas hilft. Ich habe mich besser gefühlt, weniger in einem emotionalen Korsett. Aber auch unter Trevilor hatte ich weniger Sex als der Papst.
Für heute war es dann erstmal. Ich hoffe, das hier bleibt keine Eintagsfliege und ich kann mich morgen nochmal erinnern, dass ich dieses Blog begonnen habe.

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Meine Vita
Ich langweile jetzt nicht mit meiner Karriereleiter. Die gab es nämlich nicht. Ich war nie Vorstandsvorsitzender oder Aufsichtsratsfuzzi bei irgendwelchen Megaunternehmen. Ich war auch nie in der Politik oder sonstwie öffentlichkeitswirksam tätig. Aufgewachsen bin ich in einer deutschen Großstadt. Familie wie schon geschrieben war gehobene Mittelklasse, deutsches Bildungsbürgertum, Papa Beamter im höheren Dienst, Mutter erst Sekretärin, dann Hausfrau und Mutter. Geschwister habe ich auch, aber auf die gehe ich jetzt nicht ein. ist aber alles okay bei denen. Normale Kindheit, vielleicht etwas überbeschützt durch Muttern, Pupertät zumindest für meine Eltern komplikationslos. Im Nachhinein würde ich sagen, habe ich mich nicht "ausgelebt", war niemals revoluzionär, stets angepasst. Erste Freundin mit 16/17, erster Sex auch. Nach dem Abi, 1,8er Schnitt, dann Studium. Erstmals weg von zu Hause, da habe ich begonnen, meine Pubertät nachzuholen. Sex, Drugs & Rock 'n' Roll. Pot, LSD, Tripper, Gang Bangs, das volle Programm. Ich bin heilfroh, dass ich mein Studium beendet habe, so oft, wie ich abgestürzt war und Kurse geschwänzt hatte. Hab "was mit Betriebswirtschaft und Technik" studiert, so genau will ich da nicht drauf eingehen, weil ich ja durchaus anonym hier bleiben will. Dient ja nur meiner seelischen Entlastung, dass ich hier schreibe. Vor einem anonymen Publikum. Psychotherapeuten sind ja auch auch anonym. Es tut gut, dem Seelenklemptner den Mist aus dem eigenen Leben zu erzählen, weil ich weiß, dass es ihm eigentlich egal ist. Wenn ich seine Praxis verlasse, steht schon das nächste Psychowrack im Wartezimmer. So einer wie ich. Habe ihn mal gesehen. Gut situiert, trägt immer Hugo-Boss-Anzüge und Armani-Hemden. Dabei ist das auch nur Luxusmassenware von der Stange. Wobei: Auch die Elite besitzt heutzutage meist ein, zwei Unikate, der Rest ist Massenware. Ich selbst trage ganz gern Borelli- oder Ralph-Lauren-Hemden zu Caraceni-Anzügen. Obwohl ich so gar nicht der Hemdentyp bin und viel lieber in Jeans und T-Shirt rumlaufe.
Aber ich will nicht abschweifen. Nach dem Studium lief alles perfekt. Ich arbeitete zunächst in einer großen Firma für Halbleitertechnik, konnte mich jedoch bald selbständig machen mit einer eigenen Firma. Bereits während des Studiums hatte ich eine Ideen, deren Umsetrzung ich nun vorantrieb. Mit vollem Erfolg. Was ich da "erfunden" hatte, will ich jetzt nicht weiter erläutern. Hat was mit Halbleitertechnik zu tun. Da ich kein interesse hatte, die Firma weiterzuleiten, verkaufte ich sie und meine Idee für einen knackigen zweistelligen Millionenbetrag. Zudem handelte ich aus, dass ich beim Verkauf des Produktes fünf Prozent des erzielten Preises erhalte. Lebenslang. Bingo. Ausgesorgt. Ich danke heute noch dem Herrgott auf Knien, dass ich damals auf diese Idee gekommen bin. Damals, nach einer durchgefeierten Nacht, völlig verkatert, im Bett neben mir eine mir völlig unbekannte Frau, als ich aufgewacht bin. Mir war kotzübel, bin aufs Klo geschwankt. Da saß ich dann auf der Kloschüssel, konnte nicht kotzen, wollte es aber. Da saß ich nun, vergrub mein Gesicht in meine Hände, als mir diese geile Idee gekommen ist, die mich reich machen sollte. Es hat dann natürlich ein paar Jahre gedauert, bis alles umgesetzt werden konnte. Allein der Gang zum Patentanwalt war ein riesiger Act und ich hatte damals Angst, dass mir die Chinesen die Idee klauen würden, da man beim Patentieren ja zumindest teilweise seine Idee offenlegen muss. Ist aber zum Glück nicht passiert.
So kam es, dass ich nun bis zu meinem Lebensende ein regelmäßiges Einkommen erhalte in Form einer fünfstelligen Summe. Wegen einer einzigen Idee nach einer durchgesoffenen, drogengeschwängerten und durchgefickten Nacht. Entschuldigt, dass ich hier so aus dem Nähkästchen plaudere. Ich pflege mich sonst gewählter auszudrücken, aber dadurch würde ich mich nur verstellen und ich will offen und ehrlich sein, nachdem ich das bei meinem Therapeuten schon nicht kann. Mein erster Therapeut war eine Frau, mitte vierzig, ganz nett anzuschauen und ich habe irgendwann angefangen, mir vorzustellen, sie zu ficken. Das ging nicht und stellte sich auch kein Erfolg mehr ein. Ich wechselte. Mein nächster Therapeut ist nun ein Mann. das geht etwas besser, trotzdem geht es da immer auch um Konkurrenz. Der ständige Schwanzvergleich. Zumindest kommt es mir so vor. Meiner ist länger als deiner. Ob mir die Therapie was bringt, ich weiß es nicht. Ich kann nicht offen und ehrlich sein, gerade deshalb, weil ich mich nicht schlecht darstellen will und kann. Der ewige Schwanzvergleich. Deshalb schreibe ich wohl auch, weil ich mich hier nicht vergleichen muss. Ist ja auch kein richtiges Blog hier, hier gibt es keine politischen Statements, keine Kochrezepte, keine Literaturdiskussionen, keinen feministischer Aufruf zu emanzipieren Frauenbewegungen oder Verschwörungstheorien bezüglich der Zombieapokalyse. Nee, das ist einfach nur mein Tagebuch zur Erleichterung meiner Seele. Weisst Du, was das größte Problem ist, wenn man Geld besitzt? Du weißt nicht, ob deine Freunde wirklich deine Freunde sind. Auf der Spitze wird es einsam, hat mal irgendwer gesagt. Ja, man wird paranoid, beäugt alle Menschen sehr genau, die sich plötzlich für einen interessieren. Will der mein Geld oder was will er?
Nachdem ich meine Firma verkauft habe, habe ich mich einem weiteren Projekt zugewandt, als mein Leben aus den Angeln gehoben wurde. Meine damalige Lebensgefährtin verließ mich und brannte mit einem Freund durch. So viel zu Freundschaft. Ich scheiße mittlerweile drauf. Mein neues Projekt kam auch nicht so richtig in Schwung. Jemand hatte sich einige Details zueigen gemacht und diese zum Patent angemeldet. Ich war aufgeschmissen. Auch hier war es wieder ein sogenannter "Freund". Wie gesagt, scheiß auf Freundschaften. Da stand ich nun, Frau weg, Projekt gestorben. Ich verließ sie gemeinsame Wohnung, zog weg in eine andere Stadt, um neu anzufangen. Kohle hatte ich ja genug, darum ging es nicht, aber ich fühlte mich so unendlich leer und unausgefüllt. Das schimmste aber war: Ich hatte keine neuen Ideen, die ich umsetzen konnte. Bald geht es weiter.

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Dann mal los
Also, ich bin kein Schreibertalent. Trotzdem möchte ich Euch einen Einblick in mein Leben gewähren. Warum, weiß ich auch nicht genau. Ums kurz zu machen, mir geht's finanziell gesehen sehr gut. Aber das war's dann auch schon. Ich lebe auf der "sunny side of life". Trotz Rolex, Ferrari und Wohnung in Manhatten, auf Malle und in Frankfurt schlage ich mich mit innerer Leere, Depressionen und Gleichgültigkeit herum. Darum geht's hier. Ich will einfach mal verdeutlichen, dass die ganze scheiß Kohle nicht glücklich macht. Ich renne einmal die Woche zum Seelenklempner. Tabs nehme ich keine mehr, die vertragen sich nicht mit meinem Lebenswandel. Ich bin männlich, lebe auf der Überholspur, habe ich mir selbst erarbeitet. Mein Elternhaus war konservatives Bildungsbürgertum. Abi, Studium, erster Job, zweiter Job. Gut verdient, hat zum guten Leben gereicht. Aber nie für die Überholspur. Dann kam der Absturz. Trennung, Job verloren, Verluste in der Familie. Dann meinte es das Schicksal plötzlich gut mit mir: Ich bin unerwartet zu Geld gekommen. Viel Geld. Arbeiten muss ich nicht mehr, tue ich aber, weil ich sonst gar keine Tagesstruktur mehr habe und die Langeweile mich auffressen würde. Glaubt mir, den ganzen Tag durch die Welt jetten, mit dem Sportwagen durch die Gegend gondeln, das ist nur anfangs spannend. Irgendwann wird es langweilig und die Leere, die kurz in den Hintergrund geraten ist, taucht wieder auf. Da bin ich wieder. Bei meiner inneren Leere. Dabei hatte ich einen guten Start ins Leben, ganz ohne Psychomacken. Gute Erziehung, keine seelischen Traumata, auch sonst kein Missbrauch, keine Misshandlung oder sonst etwas, was häufig als Ursache für seelische Abartigkeiten so herangezogen wird. Nein, mein Leben war völlig gradlinig, etwas konservativ, aber sonst normal. Gleich geht es weiter.

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